Persönlichkeitsbildung an Brennpunktschulen? Teil II

Geht das überhaupt?

Erster Bericht über ein vielversprechendes Pilotprojekt an einer Neuen Mittelschule in Wien Favoriten

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+ Förderung der Empathie durch regelmäßige Gesprächsrunden

Im November 2019 wurde in den sozialen Medien über eine neu eingeführte Unterrichtstunde für 6 bis 16 jährige SchülerInnen an Dänemarks Schulen berichtet. „Empathie“ soll das wöchentlich abgehaltene Fach heißen und dient dazu, den Schulkindern dabei zu helfen, vor anderen über ihre Gefühle und Probleme zu sprechen. Auf diese Art und Weise möchte man das empathische Handeln und Fühlen, sowie die Kreativität fördern, um gemeinsam zu Lösungen für verschiedene (Problem)-Situationen zu kommen.

+ Kommunikationsregeln spielerisch erlernen

So wurde berichtet, dass in diesen Stunden die anderen Kinder zuhören, wenn ein anderes Kind spricht und nicht nur über seine aktuellen Befindlichkeiten, sondern auch dringenden Sorgen berichtet. Mit Hilfe des anwesenden Lehrers/der anwesenden Lehrerin bemüht man sich gemeinsam Lösungen zu finden.

In unserer heutigen Gesprächsrunde konnte ich beobachten, dass das Einhalten von Kommunikationsregeln in einer Mädchengruppe bestehend aus zehn Schülerinnen, keine leichte Angelegenheit ist. Schon gar nicht dann, wenn sich darunter recht lebhafte, äußerst plauderfreudige und fröhlich gestimmte Teenager befinden.

Es ist dennoch sehr schön zu beobachten, wie man mit dieser einfachen Methode des gemeinsamen Settings eine neue Kultur des Miteinanders fördert.

+ Fragen der Pubertät

Diesmal drehte sich alles um Fragen der Pubertät, also um die Frage nach der Identität und Integrität. Wer bin ich? Wie möchte ich sein? Wie werde ich von anderen gesehen? Recht bald kam es zu Fragen, die eine persönliche Abgrenzung vor verletzenden Aussagen durch die Jungs verlangen. Wie viel darf man im Schulalltag durchgehen lassen? Wie gehe ich mit kränkenden Fragen oder spöttischen Bemerkungen zu meinem Körper oder meinem Aussehen um? Hier war es notwendig, den Mädchen klare Anweisungen im Umgang mit respektlosen und abwertenden Verhalten ihnen gegenüber zu geben, um ihnen den Wert ihrer persönlichen Würde in einer sensiblen Entwicklungsphase verständlich zu machen.

+ So stelle ich mir meinen (ersten) Freund vor

Ein netter, treuer, liebevoller und humorvoller Charakter beim Jungen spielt unter den pubertierenden Mädchen genauso eine wichtige Rolle wie das Aussehen. Hübsch soll der junge Partner sein, blaue oder grüne Augen und lockiges Haar scheinen derzeit bei den zwölfjährigen Mädchen gut anzukommen. Also ist doch wieder der Robert Redford-Typ gefragt? Auch wird viel Wert gelegt auf „gute Körperpflege“ sowie auf einen sportlichen Körperbau. Treue, gegenseitiges Vertrauen, Beschützerfunktion, Gleichberechtigung, Humor, Kochkenntnisse, ähnlicher Geschmack und Verlässlichkeit werden ebenfalls genannt. Manche Mädchen mit Migrationshintergrund wünschen sich einen Freund mit gleicher Nationalität. Alle sind sich jedoch darin einig, dass er nicht aggressiv und nicht eifersüchtig sein darf.

Fortsetzung folgt….

Mag. Ludmila Schindler
Sonderpädagogin in Integrationsklassen

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